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Korkindustrie

Anfang der 70er Jahre als der Drehverschluss auf den Markt kam, war dieser fast die Hälfte billiger als ein guter Korken. Von da an durfte ein Korken auch nicht mehr kosten. Dabei blieb die Qualität völlig auf der Strecke. Dann kamen die Probleme mit dem Korkgeschmack. Zusätzlich wurde die These aufgestellt, dass es in Zukunft nicht mehr genug Korken gäbe. Dass dem nicht so ist, haben wir bereits gesehen. Trotz der grossen Konkurrenz an verschiedenen Ersatzprodukten der sich der Korken ausgesetzt sieht, ist und bleibt er weiterhin der Verschluss par Excellenze beim Aufbewahren von Flüssigkeiten in Flaschen. Die Haftung der Korken am Flaschenrand, selbst am ungleichmässigen (jedoch streng zylindrischen), gewährleistet einen völligen Flaschenverschluss. Einmal, weil der Kork eine Substanz mit grosser Ausdehnungskraft ist, die sich an den harten Flaschenhals drückt.

Die kleinen Saugnäpfe bilden sich durch das Zerscheiden der äussersten Zellen beim Herausbohren des Korken aus Korkstreifen. Beim verschliessen der Flasche erzeugen diese ein Vakuum und erhöhen dadurch die Haftung des Korken und somit auch seine Verschlusskraft wesentlich. Ganz besonders deutlich treten die Vorzüge des Flaschenverschlusses Kork beim Wein hervor, besonders beim Qualitätswein, der naturgemäss längere Zeit in Flaschen lagern muss. Kork, ein pflanzliches Produkt, ist völlig frei von Giftstoffen, überträgt keinerlei Geruch oder Geschmack und verursacht, als Stopfen verwendet, keine Veränderung der abgefüllten Produkte.

Nun fordert aber der Wein, ebenfalls ein Naturprodukt ersten Ranges, dessen Reifungsprozess mit der Abfüllung noch keineswegs abgeschlossen ist, einen Verschluss, der eine gewisse Atmung erlaubt. Ganz bestimmt genügen bei kurzfristig konsumierten Weinen billige Wegwerfversschlüsse. Wenn auch unter ständigem Preisdruck in der heutigen auf Verschleiss und Konsum ausgerichteten Welt das Preisgefüge im Weinhandel zu leiden beginnt und die Grenzen zwischen hochstehenden Qualitätsweinen und schlechten Billigweinen durch attraktive Etikettierung vermischt werden und Dilettanten diese Entwicklung bedenkenlos mitmachen.

Für den Reifungs- und Alterungsprozess des Weines reicht die Lagerung in Fässern nicht aus; der Wein muss ausserdem noch in Flaschen lagern. Dann erst entwickelt er voll ganz seine Blume, jene Duftstoffe, die gerade den edlen Wein auszeichnen, und die bis heute genau definiert werden können. Es steht jedoch fest, dass zwischen dem Redox-Potential und den organoleptischen Eigenschaften des Weines eine direkte Beziehung besteht. Aus diesem Grund können sich die Substanzen, die zur Bildung der Blume beitragen am besten bei sehr niedrigen Rh-Werten entwickeln. Das Bilden der Blume ist im Grossen und Ganzen ein Reduktionsvorgang, der sich in Gegenwart von Sauerstoff nicht vollziehen kann.

 

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